Fernstudium: Zeitlicher Aufwand und Organisation

Wie lange dauert ein Fernstudium und wie viel Zeit sollte man wöchentlich einplanen? Wir werfen einen Blick auf organisatorische Rahmenbedingungen.

Studiendauer

Ein Fernstudium dauert nicht zwingend länger als ein Vollzeitstudium. So werden Regelstudienzeiten von sechs bis sieben Semestern für einen Bachelor und drei bis vier Semester für einen Master angegeben.

Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Vereinbarung von Berufs- und Privatleben mit einem Fernstudium zeitintensiv und anstrengend ist. Aus diesem Grund macht es Sinn, sich vor Studienbeginn darüber im Klaren zu sein, dass man die Regelstudienzeit eventuell nicht einhalten kann. Da dies häufig der Fall ist, bieten die Hochschulen und Fernstudienanbieter in der Regel eine kostenfreie Verlängerung der Studienzeit an.

Im Umkehrfall ist häufig auch einen Verkürzung der Regelstudienzeit möglich. Wer vor Studienbeginn einschlägige Weiterbildungen absolviert hat oder vielleicht schon mal ein Studium begonnen hat, kann sich diese Leistungen anrechnen lassen und damit die zu erbringenden Leistungen verringern. Das wiederum ermöglicht die Verkürzung der Fernstudienzeit.

Einstieg ins Fernstudium

Ein großer Pluspunkt bei vielen Fernstudiengängen: Der Einstieg in den Studiengang ist meistens jederzeit möglich. Das heißt, es gibt weder feste Bewerbungszeiträume noch feste Startzeiten für das Studium. Die Entscheidung für die Bewerbung oder Einschreibung in einen Studiengang muss nicht sofort erfolgen, man kann sich ruhig Zeit lassen bei der Entscheidung für oder gegen ein Fernstudium und sich dann bewerben, wenn man sicher ist, den richtigen Fernstudiengang für sich gefunden zu haben. Das ist ein großer Vorteil des Fernstudiums gegenüber einem berufsbegleitenden Präsenzstudium.

Doch Achtung: Der ganzjährige Beginn von Fernstudiengängen ist nicht bei jeder Hochschule möglich! Insbesondere diejenigen Studiengänge, die eine regelmäßige Teilnahme an Unterrichtsveranstaltungen vorsehen (Blended Learning), starten ein- oder zweimal jährlich zum Winter- oder Sommersemester im regulären Hochschulbetrieb. [Mehr zum Thema Blended Learning hier: "Was ist ein Fernstudium?"]

Leistungspunkte (LP) erreichen

Die Studienleistungen akademischer Grade werden in Leistungspunkten (LP) gemäß dem European Credit Transfer System (ECTS) gemessen. Bachelorstudiengänge umfassen mindestens 180 LP, Masterstudiengänge bis zu 120 LP.

So viel Zeit müssen Sie in ein Fernstudium investieren

Ein einzelner Leistungspunkt steht für ca. 30 Arbeitsstunden. Darin enthalten ist der gesamte Arbeitsumfang, bestehend aus den Vorgaben der Hochschule sowie dem freiwilligen Zutun der Vor- und Nachbereitung. Grob gesagt, muss man in einen Bachelor also 5.400 Stunden und in einen Master 3.600 Stunden Arbeitszeit investieren. Pro Semester (also Halbjahr) sind das also gut 900 Stunden. Das ist ziemlich viel – es entspricht einem Full-Time-Job – und verdeutlicht, dass ein Fernstudium viel Disziplin und Durchhaltevermögen erfordert, um die Doppelbelastung bei gleichzeitiger Berufstätigkeit zu stemmen.

Wer sein Fernstudium in der Regelstudienzeit absolvieren will, sollte an mehreren Tagen in der Woche dafür Zeit einplanen. Wie viel man pro Tag oder Woche schafft, liegt an einem selbst und was einem lieber ist. Viele Fernstudierenden lernen jeden Abend für ein bis drei Stunden, manche hingegen planen weniger Abende ein, erübrigen dafür aber gleich fünf Stunden am Stück. Doch egal, wie viel man in der Woche geschafft hat – auch am Wochenende kann man sich nicht zurücklehnen. Natürlich ist es auch mal möglich, sich für ein paar Tage nicht mit dem Fernstudium zu beschäftigen, die Regel ist das allerdings nicht, wenn man in der vorgegebenen Zeit fertig werden will.

Tipps für die Studienorganisation

Ein Fernstudium bedeutet einen hohen zeitlichen Aufwand, zumindest, wenn man nebenbei berufstätig ist und/oder aktiv ins Familienleben eingebunden ist. Das ist Zeit, die einem für andere Dinge fehlt und das kann ganz schön an den Nerven zerren. Ein Fernstudium bedeutet also immer auch den Kampf mit dem inneren Schweinehund zu führen. Motivations-Hochs und -Tiefs sind völlig normal.

Um nicht in ein Motivationsloch zu fallen, sollte man vorbeugend auf ein paar Aspekte achten:

Zeitmanagement

Feste Lernzeiten

Heute dieses Thema ein bisschen lernen, morgen vielleicht das... Das geht nicht lange gut. Ein Fernstudium erfordert ein gutes Zeitmanagement. Natürlich tickt jeder Fernstudent anders, ein guter Zeitplan kann aber weiterhelfen. Es ist wichtig den Partner oder die Familie mit einzubeziehen. Es macht Sinn, feste Zeiträume festzulegen, an denen studiert wird. Innerhalb dieses Zeitraums sollte man nicht von Anderen beim Lernen gestört und unterbrochen werden.

Prioritäten setzen

Nicht jede Aufgabe ist gleich wichtig. Das gilt für die Studienaufgaben als auch für das Privatleben. Ideal ist die Einteilung der Aufgaben in drei Prioritätsstufen, beispielsweise so: Prio 1 = muss innerhalb der nächsten drei Tage erledigt werden, Prio 2 = muss innerhalb zwei Wochen erledigt werden und Prio 3 = muss bis Ende des Semesters erledigt werden. Es macht keinen Sinn, sich die "Rosinen rauszupicken". Wer mit Aufgaben mit niedrigerer Priorität anfängt, nur weil er diese lieber macht, hat am Ende ggf. richtig Stress. Hat man aber erstmal eine unliebsame Aufgabe abgeschlossen, gibt das ein gutes Gefühl und man hat mehr Motivation gleich mit dem nächsten Punkt weiterzumachen.

Ausgleich schaffen

Auch wenn die Freizeit knapp bemessen ist. Mit Freunden treffen, ausgehen, sich etwas gönnen, Sport treiben oder anderen Hobbies nachgehen, ist wichtig, um einen Ausgleich zu schaffen. Wer nicht aktiv etwas gegen den Stress unternimmt, läuft Gefahr ab einem bestimmten Zeitpunkt in ein so großes Motivationsloch zu fallen, aus dem man nicht mehr so schnell rauskommt. Bevor es soweit kommt, sollte man also nicht nur feste Lernzeiten, sondern auch feste Privatzeiten einplanen.

Motivationskicks

Ziele setzen

Das Ziel sollte nicht einzig und allein heißen "das Fernstudium schaffen". Das Erreichen von kleineren Meilensteinen kann unglaublich motivierend sein. Ein Zwischenziel kann zum Beispiel die vollständige Bearbeitung eines Modulbausteins sein. Einen Haken dran machen, gibt es gutes Gefühl.

Eigene Erfolge wertschätzen

Ein Modul abgehakt, nun das nächste. Zwar geht es im Fernstudium immer weiter und man kann sich auf ersten Erfolgen wenig ausruhen, doch man sollte sich regelmäßig bewusst machen, wie viele Module bereits erfolgreich absolviert wurden und wie weit man damit im Fernstudium fortgeschritten ist. Es kann unheimlich motivierend sein, wenn man sich bewusst macht, was man bereits erreicht und dass man bereits das erste, zweite oder dritte Semester oder die Hälfte aller geforderten LP erreicht hat!

Auch mal offline lernen

Immer auf den Bildschirm starren - das kann ermüdend sein. Besser ist es, sich Inhalte auch mal offline und an einem anderen Ort anzueignen. Ein Lehrbuch kann man mit aufs Sofa, den Balkon oder in den Park nehmen und dort eine Lernsession einschieben.

Austausch mit Dozenten und Mitstudierenden

Über den Online Campus können Dozenten für fachliche Fragen kontaktiert werden oder ein Austausch mit Kommilitonen (den Mitstudierenden) stattfinden. Statt in der Anonymität eines Fernstudiums zu verschwinden, ist es ratsam, Kontakt zu Gleichgesinnten zu pflegen. Man kann sich fachlich austauschen, aber sich auch gegenseitig motivieren. Wer sich einer Gruppe zugehörig fühlt, bleibt besser am Ball. Letztendlich kann man sich sogar privat treffen und gemeinsam lernen.

Lernmethoden und Lehrmittel wechseln

Statt nur mit Tunnelblick zu studieren und immer gleich vorzugehen, sollte man verschiedene Lernmethoden und Lehrmittel wechseln. Nach einer gewissen Zeit weiß man dann, wie man besonders effektiv ist und auf welche Weise man am liebsten lernt.

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